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Anne-Frank-Tag 2026

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„Niemand braucht auch nur eine Sekunde zu warten, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.“ Diesen Gedanken aus Anne Franks Tagebuch können wir als Auftrag verstehen, uns zu erinnern und uns gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Rassismus zu engagieren. Zum zehnten Mal in Folge lädt das Anne-Frank-Zentrum zu einem bundesweiten Aktionstag ein, zum vierten Mal sind wir dabei, dieses Jahr unter dem Motto „Geschichte erzählen“ und als eine von 840 Schulen in ganz Deutschland. Das Datum, der 12. Juni, ist nicht zufällig gewählt, es ist Annes Geburtag.

Das Besondere am Lui: Schülerinnen und Schüler bereiten jahrgangsübergreifend Angebote für andere vor. So besuchte eine Gruppe aus der 9c jüngere Klassen und vermittelte die Geschichte der Familie Frank mit einer Präsentation und Lesung aus dem Tagebuch. Dabei stand Annes ältere Schwester Margot, die in diesem Jahr 100 geworden wäre und deren Geschichte nicht ganz so bekannt ist, im Mittelpunkt.

Welche Musik haben die Versteckten im Hinterhaus gehört? Mit dieser Frage hat sich eine 6. Klasse im Musikunterricht in die Situation der Untergetauchten hineinversetzt, das damalige Programm von Radio Oranje rekonstruiert und Annes Vorlieben kennengelernt.

Lebendig wurde die Geschichte auch dank der tollen Materialien des Anne-Frank-Zentrums: bei Führungen durch die mobile Ausstellung und bei einer Mitmach-Aktion:  „Welche Geschichte erzählst du am liebsten? Was wünscht du dir für die Zukunft? Warum ist es dir wichtig, die Vergangenheit zu kennen?“ sind Fragen, über die auf Postkarten nachgedacht. Bemerkenswert zeitlose Zitate von Anne kann man am und im gesamten Gebäude lesen.

Koffer waren das zentrale Symbol eines Theaterprojekts, mit dem die 9d an die Flucht der Familien in den Untergrund und ihre Deportation nach der Entdeckung erinnerte.

„Kinder im Krieg“ thematisierte der Profilkurs Geschichte S2: Eine interaktive Präsentation regte jüngere Klassen durch Aussagen von Zeitzeugen und heutigen Opfern des Ukraine-Kriegs dazu an, den Alltag von jungen Menschen in Kriegsgebieten nachzuempfinden. Dazu zeigt eine Collage sehr eindrücklich: Ob Zweiter Weltkrieg oder Ukraine-Krieg – die Folgen für die betroffenen Kinder sind verheerend: Erfahrungen von Zerstörung und Verlust, Hunger und mangelnde Bildungschancen prägen das ganze Leben und noch die nachfolgenden Generationen.

Zeitzeugen standen ebenfalls im Mittelpunkt eines Projekts der Wahlkurse 10: Sind digitale Zeitzeug:innen eine gute Alternative zu den aussterbenden realen Personen? Welche Chancen und Risiken bergen neue, KI-gestütze Formate der Erinnerung? Die Ergebnisse der intensiven Diskussion wurden auf einer großen Pinnwand im ersten Stock festgehalten.

Mehrere Gruppen recherchierten die  Schicksale hinter Bergedorfer Stolpersteinen. Schülerinnen und Schüler säuberten die Messingplatten und würdigten die Opfer mit Blumen und kleinen Botschaften. Eine besondere Idee hatte die 9a: Sie holte 25 Stolpersteine als Fotos in die Schule und machte sie und die Biografien dahinter auf dem Fußboden im Gang  für alle sichtbar.

Wie können wir den Zusammenhalt am Lui weiter stärken und Rassismus und Ausgrenzung entgegenwirken? Eine Möglichkeit zum Austausch darüber bot die 9c im unteren Flur, wo sich viele Schülerinnen und Schüler in ihrer Herkunftssprache und mit ihren Wünschen äußerten. So wurde Vielfalt sichtbar – aber auch, dass wir täglich etwas dafür tun sollten, die Welt – unsere Welt – ein kleines Stückchen besser zu machen.

Uri Hirsch zu Gast am Lui (15. Juni 2026)

Zum Artikel: Uri Hirsch erinnert an den Holocaust: Als das Leben eines Juden nichts wert war

Text: Susanne Falkson