Fachbereich Deutsch

Matthias Stappenbeck berichtet aus dem Deutschunterricht der Unterstufe:

Matthias Stappenbeck ist seit vielen Jahren Klassenlehrer und damit auch Deutschlehrer in der Unterstufe. Hier können Sie lesen, was er über den Unterricht mit Fünft- und Sechstklässlern berichtet. 

Im Grunde geht es in 5 und 6 darum, alle im Fach Deutsch auf einen Stand zu bringen. In den Bereichen Literatur, Sprachbetrachtung, Rechtschreibung, Grammatik etc. werden noch einmal wesentliche Inhalte aus der Grundschule vertieft bzw. gesichert. 

Die Herausforderung hierbei besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen aus den Grundschulen kommen. Für den Unterricht bedeutet das, dass man in jeder Klasse „Spezialisten“ an seiner Seite hat, die als Unterstützung der Lehrkraft fungieren können. Andererseits muss man darauf achten, diejenigen Schülerinnen und Schüler nicht zu verunsichern, die noch nie etwas von dem Unterrichtsgegenstand gehört haben.

Diese Unterschiede kann man sehr produktiv nutzen: Zum Beispiel habe ich in meiner Klasse einen Grammatik„freak“, mit dem ich mich auf spielerische Weise duelliere. Wann immer komplizierte Fragen auftauchen, beruft die Klasse das Duell Lehrer gegen Freak ein und führt akribisch Buch über den Punktestand 😉

Der Deutschunterricht kann auch Beiträge zur Formung und Stärkung der Klassengemeinschaft in Jahrgang 5 leisten. Ich unterrichte immer im ersten Halbjahr 5 das Thema Lyrik mit dem Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler eine Klassenhymne verfassen, die sie über die nächsten Jahre begleiten wird. Als Grundlage werden zunächst Nationalhymnen untersucht, wobei genauso inhaltliche wie auch sprachliche Gestaltungsfragen zu klären sind. Wenn die Schülerinnen und Schüler eine Vorstellung davon haben, welche Ziele und Themenschwerpunkte eine Hymne enthält und wie diese Themen auf lyrische Weise gestaltet werden können, geht es an die Textproduktion. In Gruppenarbeit klären die Schülerinnen und Schüler zuerst, für welche Werte und welche Ziele sie als Klasse stehen wollen, was sie vielleicht auch als Gruppe ausmacht, und anschließend schreiben sie Gedichte/Hymnen. Im Laufe der Produktionsphase stellen sich die Gruppen ab und zu ihre Zwischenergebnisse vor und geben sich Feedback. Am Ende findet sich immer eine Gruppe, die die einzelnen Gruppentexte zu einer Klassenhymne vereint. 

Die Schülerinnen und Schüler sind immer sehr stolz auf ihre Hymne und zelebrieren sie gemeinsam, z.B. im Klassenrat oder bei anderen Gelegenheiten (z.B. auf Klassenfahrten;-). Und ganz nebenbei haben sie sich darauf geeinigt, wofür sie als Gemeinschaft einstehen wollen.

Außerdem ist es wichtig, die Begeisterungsfähigkeit, Lust und Lebendigkeit der Schülerinnen und Schüler zu nutzen und möglichst viel Schüleraktivität zuzulassen. Egal, ob Literatur- oder Sprachunterricht, ich nutze jede Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler an der Tafel oder am Smartboard etwas vorstellen zu lassen, ihre Ergebnisse, Hypothesen, Ideen… Die Motivation lässt sich außerdem über spielerische, produktionsorientierte Phasen steigern, am besten in Kombination mit Projekten, in denen die Schülerinnen und Schüler auch mal auf eine Bühne können.

Um das Gelernte zu ordnen und systematisieren, lernen die Schülerinnen und Schüler gleich am Anfang in Klasse 5, wie man eine Mindmap anfertigt. Mit dieser Kompetenz können die Schülerinnen und Schüler dann am Ende jeder Unterrichtseinheit das Gelernte strukturieren/ordnen, was gleichzeitig eine gute Grundlage für die Vorbereitung der Leistungsüberprüfung bietet.

Informationen zum Deutschunterricht der Mittel- und Oberstufe:

Im Deutschunterricht der Mittelstufe lernen unsere Schülerinnen und Schüler das „Handwerkszeug“ des Deutschunterrichtes und den fortgeschrittenen Umgang, um auf die Überprüfungen der 10. Klasse vorbereitet zu sein. Dieses Handwerkszeug nutzen sie in der Oberstufe, um die abiturrelevanten Themen zu bearbeiten und fachgerechte Analysen durchzuführen – und schließlich das mündliche oder schriftliche Abitur in Deutsch zu bewältigen.

Der genaue Umgang mit der deutschen Sprache wird in vielen Bereichen gefordert, um einen unmissverständlichen Austausch beispielsweise im Internet, im Freundeskreis oder später im offiziellen Bereich des Berufslebens zu ermöglichen. Grammatik, Rechtschreibung und Gestaltung von Texten bilden daher immer einen Teil des Deutschunterrichtes an unserer Schule. 

Das Verständnis von durch Sprache ausgedrückten Ereignissen, Handlungen, Gefühlen bilden wir durch den Literatur- und Lyrikunterricht aus. Manchmal hilft die Untersuchung von Konflikten oder Verstrickungen in Romanen den Schülern, eigene Probleme besser zu durchschauen. Vielleicht liefert eine Figur sogar einen Lösungsansatz – oder zeigt, wie es besser nicht laufen sollte…

Um dem Abstrakten in vielen Gedichten und Geschichten näher zu kommen und eigene Analysen darin zu finden, werden häufig kreative Umsetzungen im Unterricht angestrebt. Dabei fördern handlungs- und produktionsorientierte Methoden und der Besuch von außerschulischen Lernorten (z.B. Theater, Museen, Lesungen) das selbstständige Arbeiten und Denken unserer Schüler.

Betrachten Sie die nachstehenden Fotos als ein Beispiel solcher Methoden. 

Eine 10. Klasse hat sich im Rahmen der schriftlichen Überprüfungen intensiv mit den Werken „Das kalte Herz“ (Hauff) und „Undine“ (Fouqué) auseinandergesetzt. Die Schüler fanden einen direkten Zugang zu den Werken durch Darstellung der wichtigsten Momente als „Standbilder“. Mimik, Gestik und Verhältnis der Figuren untereinander wurde mittels Textanalysen und Einfühlen in die Situationen herausgearbeitet und in schönen Fotos festgehalten und präsentiert, dazu hielten sie erläuternde Vorträge. Eine Gruppe hat sich bereit erklärt, ihre Fotos der Homepage zur Verfügung zu stellen. Alexander Brammer ist Urheber der Bilder.

„Das kalte Herz“

„Undine“