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Ein Hausbesuch bei Helmut Schmidt

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Im Rahmen unseres Abiturschwerpunkts Bundesrepublik Deutschland 1949-1990 haben wir uns mit dem „Deutschen Herbst“ im Jahr 1977, also mit dem RAF-Terror während der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt, beschäftigt. Dazu haben wir gemeinsam das Helmut-Schmidt-Haus in Langenhorn besucht. Als erste Schülergruppe erhielten wir Zutritt sowohl zum Wohnhaus als auch zum Archiv.

Im Archiv konnten wir mit Schmidts originalem Dienstkalender arbeiten und seine Termine, vor allem viele Krisensitzungen, während der herausfordernden Zeit im Herbst `77, nachvollziehen. Auch die Arbeit mit weiteren Archivalien wie etwa Presseechos half uns dabei, die kontroverse öffentliche Debatte um die Schleyer-Entführung und die schweren Entscheidungen der Bundesregierung in dieser Zeit besser zu verstehen.

Im Wohnhaus durften wir Helmut Schmidts private Räume, sein Arbeitszimmer, den Wohn- und Essbereich, die berühmte Bar und sogar sein Schwimmbad sehen. Insgesamt war es sehr interessant und zugleich auch ziemlich surreal, sich im ehemaligen Zuhause des verstorbenen Bundeskanzlers aufzuhalten. Die Einrichtung war eine Mischung aus wertvoller Kunstsammlung und norddeutscher Bescheidenheit. Das Haus vermittelte dabei ein sehr heimisches Gefühl, wenngleich der Zigarettengeruch noch in den Räumen lag. Während der RAF-Zeit wurden einige Sicherheitsmaßnahmen im Haus eingeführt, z.B. ein Notknopf an Schmidts Schreibtisch oder verstärkte Fenster.

Zum Abschluss führten wir eine Diskussion über das Dilemma der Regierung während des „Deutschen Herbstes“. Die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer durch die RAF setzte die Regierung unter Druck: Die Terrororganisation forderte die Freilassung von elf inhaftierten RAF-Mitgliedern und drohten der Regierung mit der Ermordung Schleyers, sollten die Inhaftierten nicht freigelassen werden. Die Regierung entschied sich schließlich gegen die Freilassung; Schleyer wurde ermordet. Über die Frage, wie das Leben eines Einzelnen gegen den demokratischen Rechtsstaat und die Sicherheit der gesamten Bevölkerung abzuwägen ist, haben wir intensiv diskutieren können, auch durch die Anregungen vor Ort.

Insgesamt war die Exkursion sehr bereichernd und wir danken dem gesamten Team des Helmut-Schmidt-Hauses für diesen einmaligen und exklusiven Besuch.

Valentina Deutschmann & Luan Mydlach, (Profilkurs S3 Fa)